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Karrierebegleiterin Nadine Rox bringt Schüler in den Beruf

Seit Frühjahr 2017 ist Nadine Rox als Karrierebegleiterin an der Verbundschule tätig. Ihr oberstes Ziel, das sie gemeinsam mit den Lehrern angeht: Der richtige Ausbildungsplatz für jede Schülerin, jeden Schüler.

Elias aus Beuren ist glücklich. Er wird im September, mit dem frischen Hauptschulabschluss in der Tasche, eine Ausbildung zum Kraftfahrzeugmechatronikerantreten. Dass es mit dem Ausbildungsplatz geklappt hat, lag sicherlich daran, dass er sich um verschiedene Praktika bemüht hat und mit seinen 15 Jahren genau weiß, was er werden will und sich mit Autos schon entsprechend auskennt. Aber es lag auch an Nadine Rox. „Es war eine richtige Erleichterung, dass sie mir geholfen hat“, sagt Elias. Rox geht Lebensläufe durch, hilft Bewerbungen zu schreiben, unterstützt in vielerlei Hinsicht, treibt an und baut auf, wenn es mal nicht so klappen will, macht grundsätzlich fit für den Start in die Ausbildung. Und sie „nervt“ auch. Beispielsweise, wenn es darum geht, sich um ein Praktikum zu bewerben, bei einem Handwerker persönlich nachzufragen oder bei einer Firma anzurufen. Das ist etwas, was vielen Jugendlichen schwerfällt, wo sie Hemmungen haben. Nadine Rox war selbst Personalerin.

Ob Ecaterina einen Ausbildungsplatz bekommt, erweist sich demnächst. Sie hat sich in einem großen Hotel im Allgäu für den Ausbildungsplatz als Gestalterin für visuelles Marketing beworben. Dass Ecaterina diesen Beruf gewählt hat, liegt mit an Nadine Rox. Berufsberatung ist das Feld der Agentur für Arbeit, das macht die Karrierebegleiterin nicht. Sie sieht ihre Aufgabe vielmehr darin, über den Prozess der Berufsorientierung an der Verbundschule die Stärken, die Talente der Schülerinnen und Schüler zu entdecken, herauszufinden, was sie wollen. Ihr Anliegen ist: „Ich will sehen, wo die Augen leuchten.“

Bei Ecaterina war das bei Kreativität, Design und Gestaltung. „Jeder wollte sie in die Gastronomie stecken, weil sie mehrere Sprachen spricht und so nett und offen ist“, erklärt Rox. Aber die Gastronomie war nicht das, was Ecaterina sich als Ausbildungsberuf vorstellen konnte. Die 21-Jährige hat schon eine lange Geschichte hinter sich. Als sie sieben Jahre alt war, wanderten die Eltern von Moldawien nach Italien aus, mit 18 zog sie nach Deutschland, konnte aber kein Deutsch. Das hat sich schnell geändert. Erst war sie in der Werkrealschule, wo ihr ein russischsprachiger Junge und ein rumänisches Mädchen geholfen haben. Sie wechselte ans Stephanuswerk und machte ihren Hauptschulabschluss. Dank den Schulleitern Wolfgang Grimm und Wanda Teich konnte sie danach zurück an die Werkrealschule und dort die Mittlere Reife ablegen. „Ich bin ihnen sehr dankbar, dass sie gesagt haben, <komm zu uns>. Sie wären nicht verpflichtet gewesen, mich zu nehmen“, sagt Ecaterina. „Die Schule hat mich unterstützt, das war mein Glück.“ Auch mit Geflüchteten habe die Gesellschaft ein hohes Potential, stellt Rox grundsätzlich fest. „Die wissen, was sie wollen, was Arbeiten bedeutet“. Sie berichtet von Brüdern aus Pakistan, die mit ihrer Hilfe Ausbildungsplätze gefunden haben, die sich aber auch selbst sehr eingebracht haben.

DSC_0186Nadine Rox findet, mit der Berufsfindung kann man nicht früh genug anfangen. Dass mit dem neuen Bildungsplan die Berufsorientierung schon ab Klasse 5 vorgesehen ist, begrüßt sie deshalb sehr. Ferienjobs und die Aktion „Mitmachen Ehrensache“, sind Bausteine, um Berufsfelder kennenzulernen. Veranstaltungen wie der „Girls and Boys Tag“, die Isnyer Ausbildungsbörse im September aber auch die Gespräche mit Erwachsenen über Berufe – „alles hilft“.DSC_0184

Auch wenn es wichtig ist, die Jugendlichen gemeinsam mit den Eltern beim Herausfinden des Berufswunsches zu begleiten, so kommt der praktischen Unterstützung doch auch eine große Rolle zu. Beim Schreiben des Lebenslaufes und der Bewerbung wird fast immer Hilfe benötigt, Vorstellungsgespräche müssen geübt werden. Über Bildungspartnerschaften mit der Schule bieten auch Isnyer Firmen wie Dethleffs oder die Volksbank Allgäu Oberschwaben Unterstützung.

An die Eltern hat Nadine Rox eine große Bitte: „Unterstützen Sie Ihre Kinder aktiv. Im Herbst wählen die großen Betriebe ihre Auszubildenden fürs nächste Jahr aus. Helfen Sie in den großen Ferien, Bewerbungen und Lebensläufe zu schreiben.“

Info: Das Regionale Bildungsbüro koordiniert mit „Brückenbau“ ein EU-Projekt, das Karrierebegleiter an Werkrealschulen, Gemeinschaftsschulen und Realschulen im Landkreis Ravensburg bis zum Jahr 2020 co-finanziert. Der Verein Kinder- und Jugendarbeit Isny ist der Träger der Teilzeitstelle von Nadine Rox. 40 Prozent der Kosten finanziert die Stadt Isny.

 

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