Sie alle sehen die Dringlichkeit einer Sozialberatung (von rechts): Anita Gösele (Stadt Isny), Matthias Hellmann (Kinder-, Jugend- und Familienbeauftragter), Sonja Seel, Pfarrer Michael Mitt (Waisenhausstiftung), Rolf Pawelka (Trude Scerri-Littmann Stiftung), Sigrid Sochor (Beirätin Kinderschutzbund), Kathrin Mengesdorf-Goetz (Vorsitzende Kinderschutzbund). Foto: Rau

Das Netzwerk Familie Isny initiiert neue Sozialberatung

Viele Menschen brauchen Hilfe bei der Beantragung von Unterstützungsleistungen. In Isny gibt es deshalb seit Anfang März eine kostenlose Sozialberatung mit Sonja Seel in den Räumen des Kinderschutzbundes im Familientreff im Schloss Isny.

Mitarbeiter in Isnyer Kindergärten, im Kinderschutzbund und weiteren Institutionen, die mit Familien zu tun haben, machten zunehmend die Erfahrung, dass manche Eltern mit der Beantragung von finanziellen Unterstützungsleistungen nicht zurechtkommen oder nicht wissen welche Kostenübernahmen bei verschiedenen Ämtern wie Jugendamt oder Sozialamt beantragt werden können. Oft zeigte sich das erst, nachdem sich schon Schulden angehäuft hatten und dies Konsequenzen nach sich zog. Dann musste jeweils kurzfristig eine finanzielle Nothilfe organisiert werden. Beate Mayr, Leiterin des Evangelischen Nikolaikinderhaus und Brigitte Pawelka, Leiterin des katholischen Familienzentrums St. Josef, sowie die jeweiligen Träger bestätigten diese Beobachtungen ebenso wie Anita Gösele von der Stadtverwaltung Isny für die städtischen Kindergärten, das Jugendamt und Vertreter der Isnyer Schulleitungen. Im Kinderschutzbund waren wegen der Zunahme der Nachfragen nach finanzieller Nothilfe und Beratung die Grenzen ehrenamtlichen Belastbarkeit erreicht. Aber nicht nur Eltern benötigen diese Hilfe.

Mit dieser Situation wollte man sich in Isny nicht länger abfinden. In konfessionsübergreifender Zusammenarbeit im „Netzwerk Familie Isny“ wurde nach einer Lösung gesucht und diese mit der Sozialberatung gefunden. Sozialpädagogin Sonja Seel übernimmt die Beratung, die allen Menschen offensteht, unabhängig von Alter, Geschlecht, Religion und Gesinnung.

Finanzierung

Ein solches sozialpädagogische Beratungsangebot ist keine Pflichtaufgabe des Sozialstaats, der Kirchen oder der Stadt Isny, sondern ein freiwilliges Angebot. Was bedeutete, dass sich das Netzwerk Familie auch um die Finanzierung kümmern musste. Einen Anteil der Kosten trägt das Diakonische Werk aus eigenen Mitteln. Dreiviertel der Kosten, etwa 36.000 Euro, musste das Netzwerk organisieren. Zusagen kamen von der Isnyer Nachbarschaftshilfe, der Trude Scerri-Littman Stiftung mit Sitz in Isny durch Stiftungsvertreter Rolf Pawelka und der Waisenhausstiftung Siloah, vertreten durch den Vorstandsvorsitzenden Michael Mitt. Beide Stiftungen zusammen übernehmen den größten Anteil der Kosten für einen Dreijahreszeitraum. Die kleine Restsumme teilen sich die evangelische und katholische Kirchengemeinde, sowie die Stadt Isny. „Ich bin als Sprecher des Netzwerks Familie Isny allen daran beteiligten Netzwerkpartnern sehr dankbar für ihre intensiven Bemühungen und ihren Beitrag“, sagt Matthias Hellmann, Kinder- Jugend und Familienbeauftragter der Stadt Isny.

Sprechstunde in Kindergärten

Die Sprechstunde im Familientreff im Schloss ist nur eine Möglichkeit sich in Zukunft beraten zu lassen. Die Kindergärten wurden für eine noch bessere Erreichbarkeit des Angebots einbezogen. „Dorthin kommen Eltern jeden Tag, das ist ihnen vertraut. Auch die Betreuung von Kindern während der Beratung könnte – mit den Erzieherinnen abgestimmt – gut organisiert werden“, sagt Anita Gösele vom Fachbereich Bildung und Familie der Stadt Isny. Die Diakonie als Anbieter dieser Sprechstunde nahm den Vorschlag auf. Sonja Seel ist daher jeden Donnerstagnachmittag in einem anderen Kindergarten in Isny zu Gast. Die Termine stimmt sie im Vorfeld mit den Kindergärten ab. Die Leitungen der Kindergärten können Eltern damit ganz unkompliziert eine kompetente Beratung anbieten. Angeboten wird die Sprechstunde zu Beginn in den Kindergärten Spatzennest, St. Maria, Felderhalde, im Familienzentrum St. Josef und im Nikolaikinderhaus. Eine Ausweitung auf weitere Kindergärten ist laut Netzwerk Familie vorstellbar. „Diese Sozialberatung in Isny anbieten zu können ist ein Ergebnis sehr guter Zusammenarbeit im Netzwerk Familie“, freut sich Hellmann.

Ans Diakonische Werk hatte man sich wegen dessen Erfahrungen mit Sozialberatung gewandt. Es bietet schon länger eine solche Sprechstunde in Wangen an. Für Isnyer war dies wegen der Entfernung und des geringen Zeitfensters jedoch kaum nutzbar. „Wir hoffen, dass unser Angebot bald Wirkung zeigt und für viele Familien eine gute Unterstützung bedeutet. Die ersten Rückmeldungen, seit Frau Seel ihre Tätigkeit aufgenommen hat, sind alle äußerst positiv“, berichtet Hellmann.

Info: Die offene Sprechstunde bei der Sozialpädagogin Sonja Seel im Auftrag der Diakonie ist einmal wöchentlich immer Donnerstags im Familientreff Schloss Isny, jeweils 9.30 bis 11.30 Uhr (ohne Anmeldung). Weitere Termine können bei der Diakonischen Bezirksstelle Wangen unter Tel. 07522/707500 vereinbart werden.

 

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